Ghost Of Tom Joad - Black Musik

Der Schlagzeuger dieser Band sieht mittlerweile echt aus wie einer dieser Menschen bei denen man im ersten Moment weiß: Der Typ hat entweder ernsthafte Probleme oder er ist ´ne richtig coole Sau. Ich könnte unmöglich ein Konzert spielen, wenn so ein Psyche hinter mir an den Drums sitzt, aus Angst dass er mir gleich in den Nacken beisst oder in seiner Snare zwei Kilo Plastiksprengstoff versteckt hat.
 (Vice Magazine, März 2009)

Der große Brian Eno sagte neulich im Interview mit einer großen deutschen Tageszeitung, dass er, der Künstler, Pop- und Avantgarde-Produzent, unter keinen Umständen mehr über Musik sprechen möchte. Zur Musik gibt es eigentlich nichts zu sagen. Deshalb gibt es sie ja. Und zur Vergangenheit ist alles gesagt. Und zur Zukunft? Gefällt mir. Gutes Thema.
Über die Zukunft lohnt es sich auch mit Ghost Of Tom Joad zu sprechen. Zwar ist ihr Haus-und-Hof-Produzent, Labelchef und Ex-Muff Potter-Gitarrist Dennis Scheider nicht Brian Eno, und Ghost Of Tom Joad sind nicht Coldplay. Aber sie hätten es werden können.

Schließlich hatten Henrik Roger (Gesang, Gitarre, Keyboards), Jens Mehring (Bass) und Christoph Schneider (Schlagzeug) kein Jahr nach ihrem von Fans und Presse umjubelten und deshalb tatsächlich gipfelstürmenden Zweitwerk Matterhorn (2009) schon ein gutes Dutzend guter neuer Songs im Kasten.
Die E-Drums, das Keyboard - das klang teilweise wie der frühe Phil Collins!, erinnert sich Henrik an die ursprünglichen Aufnahmen und den innovativsten dieser Songs, den späteren Titeltrack Black Musik. Das war die Initialzündung! Von da an wussten wir, was wir machen wollten. Also nahm die Band, die sich mit ihrem Debüt No Sleep Until Ostkreuz (2008) noch aufmachte, die Indiediscotheken zwischen Ascheberg, Lüdinghausen, London und Berlin aufzumischen, jenes Black Musik als neue Marschrichtung, sammelte Rhythmen und schrieb davon inspiriert zehn neue Stücke auf der Basis von echten Schlagzeugbeats.
Das im Helikopterschuppen Berlin eingespielte Album Black Musik ist ihr drittes in drei Jahren und stellt nun eindrucksvoll unter Beweis, was schon in der Vergangenheit von Ghost Of Tom Joad feststand: Hier brennen drei wilde Kerle nach mehr.
Black Musik ist also diese Gegenwart gewordene Zukunft. Darüber kann, will, muss und wird man reden. Und Ghost Of Tom Joad haben viel zu erzählen: Von einem Schlagzeuger, der der Star ist. Vom Proberaum und Spaß statt Kalkül. Von Stilisierungen und Synthesizern. Von HipHop und Indierock, von Beats und Gitarren. Von den Achtzigern und deren Kindern. Von hübschen Mädchen und Underdog-Arbeiterromantik. Von Pop und Progressivität. Von Radio und Club und Stadion.
Wie all das zusammenpasst? Sie, ja genau Sie, Sie könnten da mal nachfragen. Weil es nur manchmal zur Musik tatsächlich eigentlich nichts zu sagen gibt. Zu Black Musik schon.

Fabian Soethof, November 2010