SHITNEY BEERS

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This is Pop – Shitney Beers
Susi Bumms

Was ist Pop? This.
Am Palast der Popgeschichte kann man mitschreiben oder sich kurz an ihn anlehnen.
Shitney Beers nimmt eine Leiter und klettert. Über die Statuen der Popheiligen Britney, Cher und Peaches, über die
leeren Bierflaschen aus ganz Hamburg. Ganz oben wird sorgsam das Album abgelegt.
Schwach sein, Stark sein, Scheitern und Progression. Achtung Leute, this is Pop.

I hit the road and the road hit back
_Cast

This is Pop ist das zweite Album von Shitney Beers. Es ist in der bekannten Stadt Hamburg entstanden.
Ich war auch schon mal in Hamburg. Das erste Album von Shitney, Welcome To Miami, wurde 2021 bei Zeitstrafe
veröffentlicht, davor gab es vier EPs in Eigenarbeit. Seitdem stand Shitney auf vielen und unterschiedlichen Bühnen,
spielte Soloshows mit Gitarre, Kapodaster und Effektpedal und Supportshows mit u.a. Swutscher, We Were Promised
Jetpacks, Thees Uhlmann, Muff Potter und die Nerven.

This ist Pop: In den zwölf Songs des Albums geht es viel um das Scheitern.
Dass man weniger scheitert, ist an sich aber ein Anliegen von Shitney. Deswegen beginnt das Album mit einem
Disclaimer, dem Advice Song. Drei Hinweise, drei Gesetze. Lenni Kutzki, die das Artwork der Platte macht, illustriert
den Song mit der Richterin Barbara Salesch. Die ist wieder zurück im Fernsehen, also Achtung: Wer Shitneys
Ratschläge nicht befolgt, kommt hinter Gitter, so will es das Strafgesetzbuch.

Alle scheitern. Vor allem Götter und das dann meistens gewaltig. In Callisto entschuldigt sich die Göttin Artemis bei
der Nymphe Callisto. Diese wurde von ihr gevictim-blamed, danach in eine Bärin verwandelt und zum Sternenbild
des Großen Bären metamorphosed. Callisto ist ein Redemption Song.
Auf dem Weg zu einem Konzert von Shitney Beers weisen die Sterne des Großen Bären einem dafür hell und
dankend den Weg.

That girl’s so fine she’s a pop queen
_Pop Queen

Im Pop werden Queens gekrönt, die sich den Thron ohne Waffengewalt und Stammbaum verdienen und dafür im
Tod ihre Krone behalten dürfen. Der Song Pop Queen ist ein Duett mit Elena Steri und ein Hit.
Es ist ein sexy Song, einmal weil nach Consent gefragt wird und weil er generell sexy ist.

Shitney singt über vermeintlich menschliche Schwächen. Haben Tiere tierische Schwächen?
Über Scham und Selbstmitleid, darüber im „Friend sein“ zu versagen und über Laktose Intoleranz.
Und das in sehr traurig, was wiederum sehr lustig ist. Darüber, dass es manchmal gut ist, allein zu sein, über Apathie
und wie gut Peaches’ Tipp mit dem „fuck the pain away“ klappt.

Bei den Vogelstimmen, die im Song Blue mitsingen, denkt man: wow, warum so aggressiv, Vögel? So intim ist
Shitneys Stimme, so minimalistisch instrumentiert der Song. An anderer Stelle gibt es schnell zum Punkt kommenden
Refrain-Solo-Refrain-Solo-Refrain-Solo-Grunge-Punk (Hun So Low).
So ein Poppalast ist riesig. Da ist es cool, beim Klettern Leute zu haben, die eine Räuberleiter machen.
Auf This is pop unter anderem in Form von nuancenreich eingesetzten Zweitstimmen, Percussion, Cello, Keyboard,
Bouzuki oder Bass. Und eben Vogeltiere, die aggressiven Dinger.

I’ve tried to fuck the pain away Peaches-style

_ Peaches Style

Ehrliche Musik von ehrlichen Typen mit ihren ehrlichen Gitarren und besonders ehrlichen Geschichten. Was wäre,
wenn es eine Version davon gibt, die sich ehrlich, also diesmal wirklich ehrlich, gut und liebevoll und weltgewandt
und mit einer klugen Distanz zu sich selber anfühlt?
Ich habe ehrliche Ohren: This is it, this is Shitney Beers. This is pop.

Fotos / Credit: Sebastian Igel