THE NEW YEAR

The New Year haben vielleicht seit neun Jahren kein Album mehr gemacht: untätig waren die Brüder Matt und Bubba Kadane aber seitdem wirklich nie. Ihre vorherige Band Bedhead, mit der sie als Pioniere des Slowcore galten, haben sie mit einem eindrucksvollen Vinyl- Boxset in 2014 beendet, gemeinsam mit David Bazan gründeten sie Overseas und veröffentlichten 2013 das gleichnamige Debüt. Währenddessen schrieben sie trotzdem immer weiter an Songs für The New Year, diesem Nebenprojekt dass sie stets begleitete, egal für und mit wem sie gerade spielten.

Aus Demos wurden echte Songs, Lyrics wurden geschrieben, verworfen, umgestellt, die Brüder nahmen sich einfach alle Zeit „es“ genau richtig zu machen. Das „es“ heißt bei den Kadane Brüdern natürlich: kristallklarer, schnörkelloser und unaufgeregter Indie-Rock, wie ihn heutzutage einfach niemand mehr macht. Denn Musik wie die von The New Year haben heutige Musiker verlernt. Wer sich noch an Bedhead oder an die früheren New Year Album erinnert, wird wissen was wir meinen. Wenn man von beiden Bands noch nichts gehört hat: umso besser! Denn es ist nie zu spät eine der besten Bands zu entdecken, die jemals die Gitarre in die Hand genommen haben und mit ruhiger Beständigkeit eine intime Karriere abseits von jeglichen Hypes aufgebaut hat.

„Snow“ entstand einfach „mittendrin“: zwischen Jobs, dem erwachsenen Leben und Verpflichtungen, an verschiedensten Orten zwischen Texas, New York und Kalifornien, ohneinen festen Zeitplan oder einem Plan überhaupt. Und gerade das macht das Album so gut. Vielleicht brauchte das vierte Album von The New Year etwas länger als nötig in der Produktion, aber dafür braucht es jetzt nur einen Durchlauf, um ganz tief in das Herz des Hörers zu dringen. Wie schon bei Bedhead sind es die kleinen, unscheinbaren Dinge, die ihre Songs so besonders machen. Das Spiel mit der Stille zwischen den Tönen, Gitarrenlinien die sich wie Weinreben ineinander weben, dieses ideale Tempo zwischen zurückgelehnt und erbauend.

Ihr viertes Album ist nicht nur ihr best-klingendes, sondern auch ihr emotionalstes: da gibt es die Songs die (für New Year Verhältnisse) fast schon als Rocksongs durchgehen („Recent History“), balladeske Stücke wie „Dead And Alive“, mit Raum gefüllte Songs wie „Myths“, die klingen wie ein nächtlicher Sturm auf hoher See, oder hypnotische Jams wie „The Beast“. Ja, das sind alles Sachen die auch andere schon gemacht haben, aber The New Year spielen diese Songs mit einem wunderbarem Können und dem gelegentlichen, überraschenden Ausbruch von purer Schönheit. Besonders gut ist dies im langen Titeltrack des Albums zu hören. Ein songgewordener Gletscher, über 6-Minuten lang, makellos und rein. Wer soll das besser machen?

Die größte Überraschung auf dieser Platte ist aber, dass sie so zeitlos klingt, obwohl die Kadanes – wenn man ganz ehrlich ist – seit 1991 das Gleiche machen. Sie haben sich ihre Unaufgeregheit behalten, und schaffen es dadurch so vital und frisch wie schon vor 25 Jahren zu klingen. Bedhead und The New Year, das sind keine Bands für die große Masse, sondern für Liebhaber. „Snow“ wird wieder das Leben einiger im Kleinen verändern, verbessern, und die Leere füllen, ob nun an kalten Wintertagen oder einsamen Sommernächten.

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The New Year - Pressekit 19.84 MB 20 downloads

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