Yellowknife

Es gibt Vieles, das es lohnt, festzuhalten. Freundschaften zum Beispiel, U?berzeugungen und Einstellungen, manchmal auch besondere Gegensta?nde. Denn der Halt hilft einem durch das Chaos und die Flut um einen herum – wie ein roter Faden. Jedoch stellt man manchmal auch fest, dass man sich starr an eben diesen Faden klammert, obwohl er gar nicht mehr in die Richtung fu?hrt, in die man gehen mo?chte.

Das zweite Album von Yellowknife Retain dreht und angelt sich um das Festhalten. 10 Songs, die perso?nlichen Beziehungen, Leidenschaften oder Lebenseinstellungen kleine Denkma?ler setzen und sie in einen 90er-Indie- Rock-Mantel stecken. Gleichzeitig markiert dieses zweite Yellowknife-Album einen Wendepunkt im Leben des Kopfs dahinter. Denn fu?r Tobias Mo?sch hat sich mit der Aufnahme des Albums Vieles vera?ndert: Umzug von Ko?ln nach Hamburg, neues Leben, anderer Blick auf die Dinge. Ein Neubeginn, aber ein Festhalten an der großen Konstante Musik.

Der Opener Don’t You Ever Arrive handelt vom Mantra der Kunst: Fange immer wieder von vorne an und komme niemals zur Ruhe. Musikalisch spiegelt er dieses Thema, steigert sich kontinuierlich und beginnt immer wieder von neuem. Second Hand erza?hlt die Geschichte einer Frau, die das Leben einer anderen fu?hrt: Immer und immer wieder kauft sie gezielt deren alte Klamotten. Sie kommen sich auf seltsame Weise nahe, ohne sich jemals kennenzulernen. In Basements o?ffnet die Kellertu?re und gibt den Blick frei auf scha?bige Ra?ume voller Elektronik und Instrumente, mit denen flu?chtige Monumente erschaffen werden, die sich auf Band einfangen lassen. Shaky Knees hangelt sich an einer scheinbar unscheinbaren Postkarte entlang, die nach wie vor den besten Rat auf alle immer gro?ßer werdenden Fragen bereitha?lt. Eine Autofahrt durch die Nacht markiert in The Twist ein einschneidendes Erlebnis und die Abbruchkante zwischen Kindheit und Jugend. Pelicans, Travels und Over The Treetops sind der Soundtrack zu einer Fahrt entlang der amerikanischen Westku?ste, an der sie auch geschrieben wurden.

Whispers In The Dark macht deutlich, wie schwer es fa?llt, sich auf sich selbst zu verlassen, wenn an allen Ecken und Enden scho?ne Bilder in andere Richtungen zerren. Und am Ende des Albums applaudiert A Saturday, dass man es endlich durch einen langen Winter in die ersten Sonnenstrahlen des Fru?hlings geschafft hat.

Retain wurde in 11 Tagen im Ghost City Studio in der bayerischen Eino?de eingespielt. Die Aufnahme u?bernahm Kai Steffen Mu?ller, der den Live-Vibe der Yellowknife-Full-Band, die mittlerweile ein Trio ist, perfekt eingefangen hat: Die Platte klingt so unbeschwert und pur, als wu?rde man mit im Aufnahmeraum stehen. Am Bass steht Carsten Thumm, am Schlagzeug sitzt Christoph Nolte, die beide auch auf „Wooden Future“ schon vertreten waren. Gemischt hat auch dieses Album Oliver Zu?lch, der auch schon bei The Notwist an den Reglern saß.

Vielleicht ist das, was von Retain bleibt, die Erkenntnis, dass man gar nicht alles festhalten kann – und es auch nicht sollte. Und dass die wirklich wichtigen Dinge auch dann noch da sind, wenn man sie losla?sst und ihnen Raum gibt, um sich gemeinsam weiterzuentwickeln.

Retain von Yellowknife erscheint am 21. September 2018 bei Grand Hotel van Cleef.

 

 

 

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    Credit: Sebastian Igel